Und jetzt?!

Wie es mit freiwilligem Engagement nach der Rückkehr weitergeht


Nach einem mehrmonatigen Freiwilligendienst das Gastland hinter sich lassen und wieder zurückkehren nach Deutschland: vielen Teilnehmern fällt das schwer.  Einige von ihnen haben in ihrer Auslandszeit Blut geleckt – sie wollen sich weiterhin sozial engagieren. Doch oft stellen sich die Rückkehrer zunächst die Frage:  Wie geht’s weiter? Antworten bietet die große Rückkehrer-Konferenz „Undjetzt?!“.

Gruppenaufstellung passend zum "Undjetzt?!"-Motto (Quelle: Thomas Strothjohann)

Wenn sich Thomas Strothjohann an die erste „Undjetzt?!“ Konferenz zurück-erinnert, muss er lachen. „Es war schon ganz schön chaotisch“, sagt der 24-Jährige, der von 2007 bis 2008 einen Freiwilligendienst in Nicaragua geleistet hat. Nach seiner Rückkehr stellte sich für ihn die Frage, wie er sich in Deutschland einsetzen könnte. Durch NicaNetz e.V., das Ehemaligen-Netzwerk seiner Entsendeorganisation, stieß Thomas schließlich auf den Aufruf, sich im Organisationsteam einer neuen Rückkehrer-Konferenz zu engagieren: „Undjetzt?!“. „Ich bin dann spontan zum ersten Treffen des Teams gefahren“, sagt er, „und da saßen wir dann – zu dritt, mit 100.000 Euro Budget aus dem weltwärts-Rückkehrerfonds.“ Eine große Aufgabe.

Undjetzt?!“ ist gewachsen

Inzwischen hat sich „Undjetzt?!“ zu einer jährlichen Veranstaltung gemausert, die über mehrere Tage hinweg zur Vernetzung und Weiterbildung ehemaliger Auslandsfreiwilliger beitragen soll. Die Konferenz ist en Projekt unter der Trägerschaft von grenzenlos e.V. und IDEM e.V. und findet seit dem Jahr 2010 auf dem Campus der Universität Witten/Herdecke statt. Wie schon bei der ersten Konferenz 2009 geht es darum, die Ehemaligen dazu anzuregen, ihre im Ausland gewonnenen Erfahrungen in ein gesellschaftliches Engagement in Deutschland umzuwandeln. „Das Hauptziel ist, dass die Leute nach ihrer Rückkehr weiter was tun“, erklärt Thomas Strothjohann, „auf der Konferenz wird gezeigt, welche Möglichkeiten es dafür gibt.“ Während es im ersten Jahr noch größere Schwierigkeiten bei der Organisation gab, läuft es mit der Planung inzwischen deutlich glatter – auch, weil das Organisationsteam beträchtlich gewachsen ist: Waren es im Premierenjahr noch drei Organisatoren, zählte das Team im vergangenen Jahr  bereits 14  Mitglieder.

Thomas Strothjohann, Mitorganisator der "Undjetzt?!" 2009 (Quelle: Thomas Strothjohann)

Die Rückkehrer-Konferenz kommt an: Im August 2011 trafen sich auf dem Uni-Campus rund 130 ehemalige Freiwillige, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, neue Initiativen ins Leben zu rufen und gemeinsam Ideen zu entwickeln. Eine Woche lang lebten sie zusammen in einer kleinen Zeltstadt, hörten Vorträge von sozial Engagierten und besuchten Workshops. Auf dem „Markt der Möglichkeiten“ konnten sich Interessierte über bereits bestehendes Engagement informieren. Dazu kamen spezielle Aktionen wie das Pflanzen von Obstbäumen hinter dem Campus. „Das neue Gelände ist toll dafür“, findet Thomas Strothjohann. „Wir waren im ersten Jahr noch in einer anderen Location, auf der Insel Herrmannswerder bei Potsdam – und da gab es ein paar fürchterliche Probleme bei der Vorbereitung.“ Kurzfristig stellte sich damals heraus, dass die Freiwilligen nicht wie geplant in Gebäuden untergebracht werden konnten. „Wir haben schlussendlich für 250 Teilnehmer Zelte aus ganz Deutschland zusammengekarrt!“ Die Veranstaltung wurde dennoch ein Erfolg – so durchschlagend, dass sie bis heute jährlich wiederholt wird.

Von Freiwilligen für Freiwillige

Längst wird die Konferenz nicht mehr nur von weltwärts gefördert, sondern von zahlreichen Sponsoren unterstützt. Das Organisationsteam der Konferenz 2012 hat sich bereits vor Monaten gebildet und „die Köpfe rauchen“, so heißt es auf der Homepage. Wieder lautet das Motto „Von Freiwilligen für Freiwillige“. Die Teilnehmer sollen einen umfassenden Einblick und Denkanstöße erhalten, wie sie sich gesellschaftlich einbringen und etwas bewegen können. Zahlreiche Ehemaligen-Netzwerke haben sich auf den „Undjetzt?!“-Konferenzen gegründet. „Im Jahr 2009 war es zum Beispiel das Bolivien-Netz“, erinnert sich Thomas Strothjohann. Auch er hat auf der Konferenz damals Kontakte geknüpft, die zu einem weiteren Engagement geführt haben: Durch „Undjetzt?!“ lernte er den Freiwilligendienst-Experten Dr. Jörn Fischer kennen. Dieser begann zu dem Zeitpunkt gerade damit, eine Qualitätsevaluierung für das weltwärts-Programm durchzuführen. „Da hat sich eine Fachgruppe von Freiwilligen gegründet, um bei der Evaluierung mitzuwirken“, erzählt Thomas. „Wir haben dann zusammen einen Katalog mit Qualitätskriterien erarbeitet, der unserer Ansicht nach von den Entsendeorganisationen und dem Programm erfüllt werden muss.“ Mehr zur Qualität in Freiwilligendiensten und ein Video-Interview mit Dr. Jörn Fischer gibt es hier.

Workshops und Diskussionsrunden gehören immer zum "Undjetzt?!"-Programm (Quelle: Thomas Strothjohann)

Solche und mehr Möglichkeiten des Engagements lernen ehemalige Freiwillige auf der Rückkehrer-Konferenz kennen – die richtet sich übrigens nicht nur an weltwärts-Teilnehmer, sondern an alle Ehemaligen, die freiwillig im Ausland waren. „Sie können dort Kontakte zu anderen Freiwilligen knüpfen, sich austauschen und in Erinnerungen schwelgen“, sagt Thomas. „Das ist für jeden Rückkehrer eine tolle Erfahrung.“

 

Alle Infos rund um die „Undjetzt?!“-Konferenz von 2009 bis 2012 finden Sie auf der offiziellen Webseite www.undjetzt-konferenz.de und auch bei Facebook.

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