Über Workcamps

Workcamps – freiwillig helfen im Urlaub

Befristetes Engagement in internationalen Projektgruppen


Freiwillig arbeiten statt am Strand zu liegen: Wer sich in seinen Ferien für ein gemeinnütziges Projekt engagieren und trotzdem ferne Länder bereisen will, kann in einem Workcamp beides verbinden. In einer internationalen Gruppe bekommt man Einblicke in fremde Kulturen und sammelt jede Menge Lebenserfahrung.

Deutsche Teilnehmer in internationaler Workcamps (Quelle: Kim Horbach)

Gemeinhin dauern internationale Freiwilligendienste zwischen sechs und 24 Monaten. Doch nicht jeder kann oder möchte sich gleich für ein halbes Jahr oder länger zu einem freiwilligen Einsatz im Ausland verpflichten. Warum also nicht ein paar Wochen lang in einem sozialen oder ökologischen Projekt in Europa oder Übersee mitarbeiten? Tatsächlich gibt es weltweit viele Möglichkeiten, sich freiwillig für einige Wochen zu engagieren. Besonders bekannt sind hier die klassischen Workcamps.

Workcamps als Platz der Begegnung

In einem internationalen Workcamp arbeiten meist zwischen zehn und zwanzig Teilnehmer unterschiedlicher Nationalitäten an einem gemeinnützigen Projekt im Ausland. Diese Art des Auslandsengagements zeichnet sich durch einen überschaubaren Zeitrahmen von zwei bis sechs Wochen aus. Workcamps bieten sich deshalb besonders als Einstieg für junge Menschen an, die noch nie längere Zeit im Ausland verbracht haben und ins freiwillige Arbeiten hineinschnuppern wollen.

Workcamps gehören zu den ältesten Formen von freiwilligem internationalen Engagement: Unter dem Eindruck der beiden Weltkriege fanden sie  zunächst im Zeichen von Frieden und Völkerverständigung statt. Bis heute sind das wichtige Grundgedanken, bestätigt Nadine Pantel, Projektreferentin beim IBG e.V. Der gemeinnützige Verein vermittelt jährlich rund 300 deutsche Teilnehmer in internationale Partnerprojekte: „Workcamps sollen als Dienst an der Gesellschaft wirken. Sie sind dazu da, sich zu begegnen.“ Das sieht auch Sabine Fuchs so. Sie ist Referentin für internationale Jugendbegegnungen bei den Kolping Jugendgemeinschaftsdiensten (JGD) und sagt: „Es geht darum, Freundschaften über Grenzen hinweg zu schließen, Vorurteile zu relativieren und den Horizont zu erweitern – also kurz gesagt um interkulturelles Lernen.“ Kolping JGD vermittelt pro Jahr zwischen 350 und 450 Workcamp-Teilnehmer ins Ausland.

Deutsche Workcamp-Teilnehmerin beim Spielen mit Dorfkindern (Quelle: Bettina Schlüter)

Von Naturschutz bis Kulturarbeit

In den Workcamps leben Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von etwa 18 bis 30 Jahren zusammen. Sie unterstützen mit ihrer Arbeitskraft soziale oder ökologische Projekte und verbringen auch ihre Freizeit gemeinsam. Dabei erleben sie eine fremde Kultur hautnah und sammeln neue Lebenserfahrungen. Die Gruppen wohnen meist in einfachen Verhältnissen, etwa in Zelten, Holzhäusern oder anderen schlichten Gebäuden. Teilweise werden Teilnehmer auch bei Gastfamilien im Ort einquartiert. Ähnlich wie bei längeren Freiwilligendiensten finden sich Workcamp-Projekte in vielen verschiedenen Arbeitsbereichen: von Friedensarbeit, Umweltschutz und Arbeit in Kulturzentren bis hin zu sozialen Projekten mit Jugendlichen und ausgegrenzten Menschen.

Soziale Hintergedanken und Lebenslauf-Politur

Workcamps sind beliebt. „Bei unseren Teilnehmern spielt zum Einen der soziale Gedanke ein Rolle, zum Anderen aber auch, dass man in einer Gruppe reist und nicht alles allein machen muss“, erklärt Sabine Fuchs von Kolping JGD. „Workcamps bieten auch einen geschützten Rahmen, wo die jungen Leute fremde Kulturen sozusagen von innen heraus kennenlernen und mit den Partnergruppen in Kontakt kommen.“ Auch der Effekt auf den eigenen Lebenslauf spielt heute eine größere Rolle, bemerkt Nadine Pantel vom IBG e.V.: „Klar fragen sich die Teilnehmer auch: Was bringt mir das? Es entspricht dem gesellschaftlichen Trend, dass so eine Auslandserfahrung dazu dienen muss, Kompetenzen zu erweitern – viele fragen auch, ob sie eine schriftliche Bestätigung von uns bekommen können, dass sie an einem Workcamp teilgenommen haben.“

Für die Studie "Internationale Workcamps und ihre Wirkung auf Teilnehmer" wurden im Jahr 2007 ehemalige Workcamper unter anderem nach ihrer Motivation gefragt, an einem Workcamp teilzunehmen (Quelle: Forum Jugendarbeit International, Bonn 2007,Hrsg. IJAB)


Kosten und Ablauf variieren

Rund 60 deutsche gemeinnützige Vereine, die internationale Workcamps vermitteln, sind in der Trägerkonferenz der Internationalen Jugendgemeinschafts- und Jugendsozialdienste in sechs Zentralstellen organisiert. Diese werden vom Bundesministerium für  Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert. Die meisten von ihnen vermitteln die deutschen Workcamper an internationale Partnerprojekte, mit denen sie in den jeweiligen Ländern zusammenarbeiten. Der Ablauf unterscheidet sich von Organisation zu Organisation –  und damit auch die Kosten für ein Workcamp: Bei vielen Anbietern muss beispielsweise die Anreise vom Teilnehmer selbst gezahlt und organisiert werden; bei manchen ist die Anreise bereits im Preis inbegriffen. Für ihren Teilnehmerbeitrag erhalten die Workcamper in der Regel Unterkunft und Verpflegung vor Ort, Geld für die geleistete Arbeit erhalten sie aber nicht.

Auch die Arbeitszeiten variieren je nach Veranstalter und Projekt. Normalerweise haben die Workcamper jedoch genug Freizeit, zum Beispiel an den Wochenenden, um gemeinsam etwas unternehmen zu können – häufig organisieren die Partner vor Ort auch Ausflüge. Oft sind auch Reflektionsgespräche und Diskussionsrunden Teil des Programms. Teilweise ist – wie bei den internationalen Workcamps von Kolping JGD – eine zusätzliche Woche zum gemeinsamen Reisen eingeplant. „In dieser Woche geht es dann auch darum, zu reflektieren“, erklärt Simone Fuchs, „die Teilnehmer merken dann auch schon Unterschiede, ob man als normaler Tourist unterwegs ist oder ob man die Kultur aus einem anderen Blickwinkel kennenlernt.“

Wer kann mitmachen?

Die Voraussetzungen, die Vereine an ihre Teilnehmer stellen, sind vergleichbar: „Man sollte offen, flexibel und gruppenfähig sein“, sagt Sabine Fuchs, „oft hat man eine bestimmte Idee oder Vorstellung vom Projekt im Kopf, aber die Realität sieht dann ganz anders aus. Man muss sich mit einfachen Lebensumständen zufriedengeben und sollte nicht erwarten, dass es dort deutsche Standards gibt, was das Essen, die Planung oder die Zuverlässigkeit betrifft.“ Auch die Zusammenarbeit in der Gruppe ist wichtig: Die Teams müssen meist untereinander klären, wer einkaufen geht, wer kocht und wer fürs Putzen zuständig ist.

Auch für kurzfristiges Freiwilligenengagement im Ausland gibt es Spielregeln (Quelle: Kim Horbach)

Bereits ab circa 16 Jahren können sich Jugendliche für europäische Workcamps anmelden, für internationale Einsätze in Übersee muss man aus rechtlichen Gründen aber mindestens 18 Jahre alt sein. Zusätzlich zur Anmeldung verlangen die gemeinnützigen Organisationen oft ein Motivationsschreiben oder lassen ihre Teilnehmer einige Fragen beantworten. „Wenn da einer in seiner Motivation nur hinschreibt, dass er unbedingt mal nach Barcelona will, dann haken wir schon nach, ob ein Workcamp das Richtige ist“, sagt Nadine Pantel. Bei manchen Projekten kann es zudem vorkommen, dass die verfügbaren Plätze für Deutsche irgendwann belegt sind. „Häufig ist es auch so, dass für ein Projekt schon so viele Frauen angemeldet sind, dass es heißt: No more female.“

Frauen in der Überzahl

Frauen sind grundsätzlich stärker vertreten als Männer. „Das Interesse, sich sozial zu engagieren, ist bei Frauen allgemein größer“, sagt Pantel, „Männer sind vielleicht auch mutiger, schnallen sich einfach den Rucksack auf den Rücken und reisen alleine los.“ Ähnlich begründet auch Sabine Fuchs die Frauendominanz: „Bei uns sind die Teilnehmerinnen im Schnitt so zwischen 18 und 23 Jahren alt – in dem Alter liegen bei Männern die Interessen noch nicht so auf der sozialen Komponente. Und sie trauen sich eher als Frauen, alleine ohne eine Gruppe zu reisen.“

Anbieter schießen aus dem Boden

Längst haben kommerzielle Reiseveranstalter das Potenzial von Workcamps und dem sogenannten Volunteer-Tourismus erkannt – immer mehr Anbieter nehmen deshalb soziale oder ökologische Projekte in ihr Programm auf. Das sehen die gemeinnützigen Organisationen kritisch (mehr dazu: Kritik an Workcamps). Wie kann man also bei dieser immer größeren Auswahl als Laie ein gutes von einem schlechten Workcamp-Angebot unterscheiden? „Ein wichtiges Qualitätsmerkmal ist Authentizität“, findet Nadine Pantel, „dass man zum Beispiel auf der Webseite des Veranstalters Erfahrungsberichte lesen kann, die ehrlich klingen. Wenn ich bei der Selbstdarstellung des Anbieters das Gefühl habe, dass mir alles auf einem goldenen Tablett serviert wird, sollte ich misstrauisch werden.“

Workcamper in Ghana beim Streichen eines Holzzauns (Quelle: Maria Slenczek)

Sabine Fuchs ergänzt: „Jede Organisation hat ein anderes System, manche bieten eine Gruppenreise mit Leitung, andere lassen den Flug selbst organisieren. Aber was jede gute Organisation anbieten sollte, ist eine Vorbereitungsmaßnahme – also, nicht nur Unterlagen, die man vorher lesen kann, sondern mindestens ein Treffen, um Fragen zum Projekt und Erwartungen abzuklären.“ Dieses Vorbereitungstreffen diene auch dazu, den Prozess des interkulturellen Lernens anzustoßen. „Man muss wissen, welche Werte und Normen man auch aufgrund seiner eigenen Kultur vertritt, um sich dann der anderen Kultur nähern zu können. Ganz wichtig ist auch, den Teilnehmern klar zu machen: Wir sind nicht besser und wir können auch nicht mehr als die Leute in den Gastländern – wir sind nicht dort um zu helfen, sondern um selbst zu lernen.“ Das sei ein häufiges Missverständnis und die „Helfereinstellung“ weit verbreitet.

Kommerzielle Anbieter sind teurer

Auch der Preis gilt als Kriterium, das man beachten sollte. „Bei den kommerziellen Trägern sind die Reisekosten meist nicht inbegriffen und die Kosten sind grundsätzlich höher, weil sie keine finanzielle Unterstützung durch das Familienministerium kriegen und weil ein anderes Gewinndenken dahintersteht“, sagt Pantel. Die gemeinnützigen Trägervereine erwirtschaften durch die Vermittlung der Workcamps schließlich keinen Gewinn, sondern erheben lediglich eine vergleichsweise geringe Vermittlungsgebühr (circa 100 bis 150 Euro) – die restlichen Teilnahmekosten fallen für Reise, Unterkunft und Verpflegung an. Auch in Deutschland finden jedes Jahr internationale Workcamps statt, an denen neben deutschen Jugendlichen auch junge Erwachsene aus Gastländern teilnehmen.

Hier lesen Sie die Berichte von jungen Workcampern, die bereits an verschiedenen Projekten in Mexiko, Afrika und Großbritannien teilgenommen haben.

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Sie möchten mehr über Workcamps erfahren? Hier gibt es weitere Informationen:

  • Detaillierte Informationen zu Workcamps und der Trägerkonferenz der gemeinnützigen Vereine finden Sie auf www.workcamps.de.
  • Umfassende Tipps rund um das Thema VolunTourism – allerdings nur in englischer Sprache – erhalten Sie unter www.voluntourism.org.
  • Eine interessante Studie aus dem Jahr 2007 hat die Auswirkungen von Workcamps auf die Teilnehmer u. a. psychologisch untersucht – hier geht’s zum Download.
  • Ein kleiner Video-Einblick von Eurodesk zeigt Ihnen, was Workcamps ausmacht.

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