Über Freiwilligenarbeit im Ausland

Von unzähligen Möglichkeiten und der richtigen Wahl


Eine Auszeit von Deutschland nehmen und im Ausland einen sinnvollen Beitrag für sich selbst und andere leisten: Ein internationaler Freiwilligendienst bietet die Gelegenheit, sich zu engagieren und dabei abseits touristischer Pfade Auslandserfahrungen zu sammeln. Immer mehr Angebote und Dienstformen machen jungen Interessierten heute die Wahl zur Qual – Durchblick ist gefragt.

Freiwilliges Engagement ist tief in unserer Gesellschaft verwurzelt – viele Deutsche setzen sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich für Projekte und Initiativen in verschiedenen Bereichen von Sport bis Kultur und Umweltschutz ein. Die Anzahl engagierter Bürger in Deutschland ist seit fast zehn Jahren stabil: Rund 36 Prozent haben eine oder sogar mehrere freiwillige Tätigkeiten übernommen – also über 23 Millionen Menschen (genauere Informationen dazu hier: Freiwilligensurvey 2009).

Thomas Strothjohann bei seinem Freiwilligendienst, einem Bücherbus in Nicaragua (Quelle: Thomas Strothjohann)

Klarer Trend: zum Helfen raus aus Deutschland

Obwohl sich auch junge Menschen für das Gemeinwohl im eigenen Land einsetzen, zeigt sich besonders in der Generation der 18- bis 30-Jährigen ein klarer Trend – hin zu einem zeitlich befristeten Engagement im Ausland. Bei einem internationalen Freiwilligendienst lernen die Teilnehmer  durch ihre gemeinnützige Mitarbeit in sozialen, kulturellen oder ökologischen Projekten nicht nur ein fremdes Land und neue Menschen kennen, sondern erwerben auch Kompetenzen für ihr Leben. Dass solche Angebote ankommen, ist kaum verwunderlich – schließlich hat sich in den vergangenen zehn Jahren im Bereich der internationalen Freiwilligendienste viel getan: Die Landschaft der verschiedenen Dienste hat sich immer weiter ausdifferenziert – inzwischen vermitteln hunderte Organisationen Einsatzplätze für Freiwillige im Ausland. Eine derart große Auswahl klingt toll, stellt interessierte junge Menschen zunächst aber oft vor ein Problem: Wie aus dem riesigen und unübersichtlichen Pool den richtigen Freiwilligendienst finden? Und welche Formate gibt es überhaupt? „Dieser Wildwuchs der Freiwilligendienste ist ein echtes Problem“, findet Dr. Claudia von Braunmühl, Professorin für Internationale Politik aus Berlin.

Internationale Freiwilligendienste (IFD)

Verwirrung stiften schon die uneinheitlichen Bezeichnungen von internationalen Freiwilligendiensten (IFD). Denn viele Organisationen verwenden einen eigenen Namen für den von ihnen angebotenen Dienst. Alle internationalen Freiwilligendienste haben jedoch einige grundsätzliche Kriterien gemeinsam: Sie sind als Dienst an der Gemeinschaft konzipiert und finden im Ausland, hauptsächlich in Schwellen- und Entwicklungsländern, statt. Eine besondere Rolle spielt das interkulturelle Lernen: Dies bezieht sich nicht nur auf den Erwerb sprachlicher Fähigkeiten, sondern vor allem auf die Lebenserfahrungen, die man als Freiwilliger während eines Auslandsengagements sammelt – man lernt fremde Kulturen kennen und entwickelt Verständnis für Lebensbedingungen sowie globale Zusammenhänge. Kommerzielle Interessen haben in einem Freiwilligendienst keinen Platz. Andere Einsatzformen, die jungen Menschen in Ausland offenstehen, wie Work&Travel oder die Arbeit als Au-Pair zählen nicht zu internationalen Freiwilligendiensten – denn sie kommen nicht dem gesellschaftlichen Gemeinwohl zugute.

Workcamper in einem Sozialprojekt in Kenia (Quelle: Sarah Bressan)

Die wenigsten Freiwilligendienste kommen dadurch zustande, dass sich ein junger Bewerber direkt mit einem ausländischen Projekt in Verbindung setzt. Vielmehr werden die deutschen Freiwilligen in der Regel von sogenannten Entsendeorganisationen in Deutschland an Partnerprojekte in Gastländer vermittelt. Diese Entsendeorganisationen – überwiegend eingetragene gemeinnützige Vereine – übernehmen die Auswahl und die pädagogische Vorbereitung der angehenden Freiwilligen. Diese Prozesse unterscheiden sich je nach Dienstart und verantwortlicher Organisation.

Ordnung ins Chaos: Die Freiwilligendienst-Formate

Rechtlich lassen sich die verschiedenen Formen der Freiwilligendienste zwei Kategorien zuordnen: den gesetzlich geregelten und den nicht gesetzlich geregelten Diensten. Das sogenannte Jugendfreiwilligendienstgesetz gilt nur für einen Teil der internationalen Freiwilligendienste: für das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ), das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) und für kulturweit, den jungen Freiwilligendienst des Auswärtigen Amtes.

Der Freiwilligendienst weltwärts des Entwicklungsministeriums (BMZ) und der sogenannte Europäische Freiwilligendienst (EFD) sind hingegen nicht gesetzlich geregelt – allerdings sind ihre Rahmenbedingungen durch klare Verordnungen und Richtlinien definiert. Andere Dienste, wie etwa Missionar auf Zeit oder auch Workcamps, sind im „ungeregelten“ Bereich angesiedelt. Obwohl rechtlich geregelte Dienste eine festgelegte Mindestnorm bei der pädagogischen Begleitung und der Sozialversicherung vorschreiben, sind ungeregelte Dienstformen nicht automatisch als minderwertiger anzusehen. Die weltwärts-Vorgaben beispielsweise sind ebenso detailliert und anspruchsvoll – und auch die Entsendeorganisationen verfügen jeweils über eigene Richtlinien und Qualitätsansprüche.

Internationale Freiwilligendienste im Überblick (Quelle: Kim Horbach)

Internationale Freiwilligendienste im Überblick (Quelle: Kim Horbach)


weltwärts
und Workcamps

frei-raus beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit zwei verschiedenen Freiwilligendienstformaten: mit dem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst weltwärts des BMZ und mit internationalen Workcamps.

weltwärts, das Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), ist ein vergleichsweise junger Freiwilligendienst – im Jahr 2008 sind erstmals deutsche Freiwillige weltwärts gegangen. Entscheidend für die Einführung des Dienstes war der Anspruch, mehr Freiwilligendienststellen zu schaffen und so die Chance junger Interessierter auf einen Einsatzplatz im Ausland zu erhöhen. Ein weiteres wichtiges Kriterium war die Verbesserung der Rahmenbedingungen für einen Freiwilligendienst: Die finanzielle Förderung durch das BMZ verkleinert die Belastungen für die Freiwilligen, gleichzeitig steigen durch die Richtlinien die Qualitätsansprüche an Freiwilligendienste im Ausland. Der Dienst dauert im Durchschnitt circa ein Jahr. Wie genau weltwärts funktioniert, wer sich bewerben kann und worauf man achten muss, gibt es hier: Über weltwärts.

Workcamper bei der Feldarbeit (Quelle: Andrea Seubert)

Workcamps gehören zur ältesten Art von Freiwilligenarbeit im Ausland – sie entwickelten sich unter dem Eindruck der beiden Weltkriege und finden bis heute im Zeichen von Frieden und Völkerverständigung statt. Wer nicht – wie bei weltwärts, einem FSJ oder kulturweit – gleich für mehrere Monate zum gemeinnützigen Arbeiten ins Ausland gehen möchte, ist bei einem Workcamp in Europa oder Übersee gut aufgehoben: Hier arbeitet eine multinationale Gruppe junger Teilnehmer für zwei bis sechs Wochen zusammen an einem gemeinnützigen Projekt. Die Einsatzbereiche sind dabei genauso vielfältig wie bei den weltwärts-Angeboten: Von Umweltschutz- und Bauprojekten bis hin zum Einsatz in sozialen und kulturellen Einrichtungen. Workcamps gelten als beliebte Möglichkeit, den eigenen Urlaub mit einem freiwilligen Engagement zu verbinden – allerdings müssen die Teilnehmer hier die Kosten selbst tragen. Mehr über das freiwillige Arbeiten in internationalen Workcamps gibt es hier: Über Workcamps.

Egal, für welche Dienstform sich ein Bewerber entscheidet, wichtig ist für ihn vor allem eine Frage: Wie erkenne ich eine gute Entsendeorganisation, ein gutes Projektangebot? Und was macht Qualität in Freiwilligendiensten überhaupt aus? Mehr Informationen sowie ein exklusives Experten-Interview im Video gibt es hier.

Hier finden Sie die Rubriken weltwärts und Workcamps von frei-raus.

Sie wollen mehr über die Freiwilligendienstformate erfahren? Hier sind Sie richtig:

  • Infos zu FSJ und FÖJ erhalten Sie beim Bundesarbeitskreis FSJ und beim Bundesarbeitskreis FÖJ.
  • Wer sich für einen Internationalen Jugendfreiwilligendienst interessiert, kann sich beim BMFSFJ informieren.
  • „Jugend in Aktion“ lautet das Motto für den Europäischen Freiwilligendienst.
  • Alles Wissenswerte zum Freiwilligendienst des Auswärtigen Amtes kulturweit finden Sie hier.
  • Lust, Missionar auf Zeit zu werden? Hier gibt es weitere Informationen für Sie.
  • WWOOF ist auf Farmen und Bauernhöfen weltweit möglich.
  • Alles rund um weltwärts und Workcamps inklusive Linktipps können Sie hier auf dem Webdossier entdecken

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